Bundespräsident Steinmeier fördert den Dialog der Religionen


Der Monat Oktober stand für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier deutlich im Zeichen des ökumenischen Dialogs: gleich dreimal kam er mit wichtigen Religionsvertretern zusammen. Nach einem Besuch bei uns in Rom, bei dem der Bundespräsident sich in einer langen Privataudienz mit Papst Franziskus über die Ökumene austauschte und die Christuskirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde besuchte, folgten nun in der vergangenen Woche zwei weitere Gesprächsbegegnungen.

Begegnung mit altorientalischen Kirchenoberhäuptern

[Bundespräsident Steinmeier im Gespräch mit altorientalischen Kirchenoberhäuptern - ©  Presse- und Informationsamt der Bundesregierung] 














Am Mittwoch, den 18. Oktober, empfing der Bundespräsident vier Oberhäupter orientalisch-orthodoxer Kirchen im Schloss Bellevue: den koptisch-orthodoxen Papst-Patriarch Tawadros II., den syrisch-orthodoxen Patriarchen Ignatius Afrem II., den armenisch-apostolischen Katholikos Karekin II. und den malankarischen orthodox-syrischen Katholikos Baselios Marthoma Paulose II. Die vier Religionsführer waren anlässlich des Reformationsjubiläums auf Einladung der Evangelischen Kirche (EKD) nach Deutschland gereist, um gemeinsam mit Vertretern anderer christlicher Kirchen an einer Konferenz zur Zukunft der Christen im Nahen Osten teilzunehmen. Das Gespräch kreiste vor allem um die schwierige Situation der Christen im Nahen Osten, wo in vielen Ländern Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt werden.

Die altorientalischen Kirchenoberhäupter betonten während ihres Besuchs die enge Verbindung der orientalischen und der lateinischen Kirchen und baten die Kirchen in Deutschland, sich für die verfolgten Christen im Nahen Osten einzusetzen. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärte nach dem Gottesdienst im Berliner Dom: „Unser gemeinsames Gebet und unsere Gespräche galten in besonderer Weise den bedrängten Christinnen und Christen im Nahen Osten. Zugleich erinnerten wir daran, dass gegenwärtig mehr als 250.000 orientalisch-orthodoxe Christen bei uns in Deutschland leben.“

Gleichzeitig betonten Repräsentanten aller Kirchen, dass der Dialog zwischen Ost- und Westkirchen weiter vertieft werden müsse. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dankte den altorientalischen Kirchen in Deutschland insbesondere für ihr Engagement bei der Integration von Flüchtlingen in Deutschland. Für orientalische christliche Flüchtlinge sind die kirchlichen Gemeinden ihres Glaubens meist die erste Anlaufstellen.

Marx erinnerte zudem die deutschen Kirchen an ihre Verantwortung zur Solidarität gegenüber geflüchteten Christen. Er sprach den Wunsch aus, dass die Gemeinschaft zwischen den Kirchen deutlich sichtbarer werde und lobte in diesem Zusammenhang die ökumenischen Bemühungen der katholischen und evangelischen Kirche im Reformationsjahr 2017: „Wir haben Gott um Vergebung gebeten und einander Vergebung geschenkt. So miteinander versöhnt wollen wir gemeinsam Schritte in die Zukunft gehen auf dem Weg zur vollkommenen Einheit der Kirche. Lassen Sie uns auf diesem Weg der Versöhnung weitergehen mit dem Ziel der vollkommenen Einheit der Kirche und im Dienst an der Einheit der ganzen Menschheitsfamilie.“

Reise nach Russland anlässlich der Rückgabe der Kathedrale St. Peter und Paul

[Bundespräsident Steinmeier in St. Peter und Paul - ©  Presse- und Informationsamt der Bundesregierung]

Am gestrigen Mittwoch, den 25. Oktober, reiste Bundespräsident Steinmeier zusammen mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm nach Moskau. Dort besuchten sie die Kathedrale St. Peter und Paul, die die russische Regierung im Rahmen des Reformationsjubiläums an die Evangelisch-Lutherische Kirche Russlands zurückgegeben hat. 1938 war die Evangelisch-Lutherische Gemeinde unter Stalin enteignet worden und die Kathedrale in Staatsbesitz übergegangen. Für die Rückgabe hatte sich der Bundespräsident bereits in seiner Zeit als Außenminister gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland eingesetzt. In seiner Rede dankte Frank-Walter Steinmeier Russland für die Rückgabe der Kirche: „Ich danke dem russischen Präsidenten für seine Unterstützung und die schöne Geste im Jahr des Reformationsjubiläums, umso mehr, weil ich weiß, wie viel sie den evangelischen Christen in Russland bedeutet.“ Im Laufe  tausendjähriger Geschichte, die Russen und Deutsche verbinde, habe sich das besondere Verhältnis beider immer wieder bestätigt, so der Bundespräsident.  Anschließend sprach er einen Wunsch zu mehr Ökumene aus: „Vielleicht kann die Errungenschaft der Reformation, die Entdeckung der Würde des Individuums vor Gott, ja, auch ihr Freiheitsversprechen, das wir in diesem Jahr feiern, Anlass sein, uns wieder und neu zu begegnen.“


Für alle die es verpasst haben: Hier geht’s zu unserem Blogartikel „Bundespräsident Steinmeier zu Besuch bei Papst Franziskus“.
Die Rede des Bundespräsidenten bei der Zeremonie in der Kathedrale St. Peter und Paul können Sie hier nachlesen.

Kommentare