Welternährungstag 2017

Papst Franziskus besucht die FAO [© dpa]

"Zukunft der Migration" lautet das diesjährige Thema des Welternährungstages. Damit wird bereits thematisch darauf hingewiesen, dass Hunger und Flucht eng miteinander zusammen hängen. Der 1979 von den Vereinten Nationen eingeführte Gedenktag, soll auf die weltweiten Hungerprobleme aufmerksam machen. Trotz einer weltweit ansteigenden Nahrungsmittelproduktion, mit der verschiedenen Studien zufolge bei richtiger Umverteilung genügend Nahrungsmittel für alle da sein könnten, haben Konflikte und Kriege dazu geführt, dass die Zahl der Unterernährten in den letzten Jahren wieder angestiegen ist. Gegenwärtig liegt sie bei über 815 Millionen Menschen. Jeder Neunte leidet somit chronisch Hunger.

Um dem entgegen zu wirken hat die internationale Gemeinschaft 1961 mit dem Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) der VN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) eine Ernährungshilfeorganisation gegründet, die jährlich etwa 80 Mio. Menschen in mehr als 80 Ländern unterstützt. Das Welternährungsprogramm ist einer der wichtigsten Partner des Auswärtigen Amts in der Humanitären Hilfe. Die Bundesregierung zählt sogar zu den größten Geldgebern der in Rom angesiedelten Institution. Die Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm wird von unseren Kolleginnen und Kollegen der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Internationalen Organisationen in Rom koordiniert.

Anlässlich des Welternährungstages hat Papst Franziskus heute die FAO besucht. In seiner Rede forderte er ein größeres Engagement in der Hungerbekämpfung. "Hunger ist keine unheilbare Krankheit", betonte Franziskus in seiner Rede. Die Haupthürden im Kampf gegen Hunger und Fluchtursachen seien andauernde Konflikte aber auch der Klimawandel. Wenngleich die rechtlichen Instrumente für mögliche Gegenmaßnahmen, wie etwa das Pariser Klimaabkommen, bereits geschaffen wären, hätten diese bisher nicht zu einem tiefgreifenden Wandel im Ressourcenverbrauch geführt. Er appellierte an die Weltgemeinschaft, mehr Wege für eine legale Migration zu schaffen. Unterernährung, Krieg und Klimawandel trieben zahlreiche Menschen dazu, ihr Land zu verlassen. Auf ihrem Fluchtweg seien sie dann „schrecklichen Formen der Ausbeutung“ ausgesetzt.

Im Anschluss an seine Rede schenkte der Papst der FAO eine marmorne Statue des dreijährigen syrischen Jungens, dessen Ertrinken vor zwei Jahren für weltweites Aufsehen gesorgt hatte. Ein deutliches Signal, dass die Flüchtlingstragödien der vergangenen Jahre niemals vergessen werden dürfen.

In seinem Appell zum heutigen Gedenktag bekräftigte auch der Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms, David Beasley, den Zusammenhang zwischen Hunger, Konflikt und Flucht. Die „17 Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Agenda 2030 der Vereinten Nationen verknüpften deshalb alle Dimensionen der Nachhaltigkeit: die ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung, so Beasley.

Neben der Entwicklungszusammenarbeit mit Internationalen Organisationen gestaltet die Bundesrepublik auch eigenständig multilaterale und regionale Entwicklungszusammenarbeit. Mit der Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ etwa arbeitet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung seit 2014 verstärkt an den strukturellen Ursachen von Hunger. In 24 Ländern werden gemeinsam mit mehr als 50 Partnern ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung gefördert. Denn drei Viertel der Hungernden leben auf dem Land.

Auch die Hilfswerke der deutschen Kirchen leisten einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherung. Die evangelische Stiftung „Brot für die Welt“ etwa unterstützt nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe mehr als 1.300 Projekte, um Hungerkatastrophen entgegenzuwirken. Gemeinsam mit seinen Partnern entwickelt das Werk Ideen, wie man allen Menschen Zugang zur ausreichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln ermöglichen kann. Auch das katholische Hilfswerk „Misereor“ regt mit verschiedenen Aktionen zu einer Diskussion über Alternativen für unser gegenwärtiges Ernährungssystem an. Im September startete das bischöfliche Werk zudem die Veranstaltungsreihe „95 Thesen für Kopf und Bauch“, in der es für eine Reformation des globalen Ernährungssystems plädiert.


Die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Bärbel Kofler, hat zum heutigen Tag eine Pressemitteilung gegeben. Deren Wortlaut dazu finden Sie hier.
Die Seite des Auswärtigen Amts informiert über Projektbeispiele der humanitären Hilfe Deutschlands. 
Weitere Informationen zum WFP erhalten Sie auf der offiziellen Seite sowie auf dem Blog des Welternährungsprogramms.
Die FAO informiert auf ihrer Webseite ebenfalls über den Welternährungstag und ihr Engagement sowie über die heutige Ansprache des Papstes in der Zentrale der FAO.
Diese interaktive Karte der Bundeszentrale für politische Bildung (Stand 2014) gibt einen Überblick über die Lage der Welternährung seit den 1990er Jahren.

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