11.11. - Von Narren, Heiligen und Päpsten

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Der 11.11. ist nicht nur für Liebhaber der „fünften Saison“ ein besonderes Datum. Doch was hat uns dieser Tag zu sagen?

Allen, die nicht im Rheinland aufgewachsen sind, als kurze Aufklärung vorweg: Heute herrscht in Köln und Umgebung Hochstimmung. Denn am Elften Elften um 11.11 Uhr wird jährlich die Karnevals-Saison eröffnet. Wieso die Zahl Elf dabei eine besondere Rolle spielt, ist Historikern auch nach jahrzehntelanger Forschung noch unklar. Als mögliche Interpretation gilt der Einfluss der Französischen Revolution (1789): Da durch die napoleonische Besatzung die Französischen Gleichheitswerte auch jenseits des Rheins eingeführt wurde, gab es auch hierzulande Forderungen nach der Gleichheit aller Menschen. Die E(galité), L(iberté) und F(raternité) - Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit - flossen dann im Narrengewand zum Auftakt der Karnevalssaison in die „ELF“ zusammen.

Wahrscheinlicher ist eine eher kirchenhistorische Deutung: Der 11. November, Gedenktag des St. Martin von Tours, war das offizielle Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres und traditioneller Pacht- und Zahltag. Da in Naturalien gezahlt wurde, wurde an diesem Tag viel geschlachtet. Nach dem Martinstag begann die Martinsquadragese, die 40-tägige winterliche Fastenzeit vor Weihnachten. Deshalb herrschten am Vorabend  auf dem Land ähnliche Bräuche wie heute zum Karneval vor der österlichen Fastenzeit: An Essen, Trinken und Feiern ließ man es nicht fehlen.

Damit sind wir schon beim zweiten Thema des heutigen Tages: dem Gedenktag des Heiligen Martin von Tours, ursprünglich Patron der Randgruppen und heute einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der katholischen Kirche - was vermutlich nicht zuletzt an den vielen lokalen Brauchtümern liegt. Der Überlieferung nach teilte Martin, ein in Gallien stationierter römischer Ritter der Kaiserlichen Garde, seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Heute wird dieser Tat mit Fackelzügen und Martinsfeuer gedacht, ein als Sankt Martin verkleideter Reiter verteilt Süßigkeitstüten und Weckmänner an die Kinder. Diese Rheinische Tradition der Martinszüge soll jetzt immaterielles Weltkulturerbe der Unesco in Deutschland werden.

In Baden-Württemberg findet dieses Jahr noch eine besondere „Martinsfeier“ statt: Mit Festakt und Gottesdienst wird der einzigen Papstwahl auf deutschem Boden gedacht. Diese fand vor genau 600 Jahren während des Konstanzer Konzils in Konstanz statt, als Odo Colonna am 11.11.1417 zu Papst Martin V. gewählt und gleichzeitig die drei Gegenpäpste abgewählt wurden. Im weiteren Verlauf führte dies zur Beendigung des „Großen Schismas“, der fast 40-jährigen Spaltung der katholischen Kirche.

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