Außenminister Gabriel verkündet diplomatische Beziehungen mit dem Souveränen Malteser Ritterorden

[Im Kapitelsaal © Malteserorden]

[Der berühmte Blick auf den Petersdom - © Malteserorden]
Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel war anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Malteser Ritterorden heute zu Besuch im Hauptsitz des Malteser Ritterordens auf dem Aventin.

1. Der Malteser Ritterorden

Der Souveräne Malteserorden ist eine der ältesten Institutionen der westlichen und christlichen Zivilisation. 1113 als religiöser Laienorden der Katholischen Kirche gegründet und seit dem 15. Jahrhundert völkerrechtlich handlungsfähig unterhielt der Souveräne Malteserorden bisher zu 106 Staaten sowie zur Europäischen Union diplomatische Beziehungen. Um Nothilfe und medizinische Hilfsprogramme zu entwickeln, wurden mehr als 50 Kooperationsverträge mit Staaten unterzeichnet. Der Malteserorden hat den Status eines ständigen Beobachters bei den VN und unterhält ständige Missionen an den UN-Standorten in New York, Genf, Rom, Wien und Paris.

Seit dem 13. Oktober 2017 unterhält Deutschland offiziell diplomatische Beziehungen zum Souveränen Malteserorden. Damit ist die Bundesrepublik der 107. Staat, zudem der Ritterorden diplomatische Beziehungen unterhält.

Heutzutage ist der Malteserorden in 120 Ländern aktiv und unterteilt sich in 12 Priorate, 47 nationale Assoziationen, 133 diplomatische Missionen, ein weltweites Hilfswerk, 33 Freiwilligenkorps sowie medizinische Einrichtungen und Fachzentren. Der Orden verfolgt weder wirtschaftliche noch politische Interessen und hängt von keinem anderen Staat oder Regierung ab, sondern ist allein der Hilfe von Bedürftigen durch medizinische, soziale und humanitäre Arbeit verpflichtet. Der Orden ist besonders aktiv bei der Nothilfe für Menschen, die inmitten von bewaffneten Konflikten leben, und bei Naturkatastrophen. Hier stellt er die medizinische Versorgung, sorgt für Flüchtlinge und verteilt Medikamente und Überlebenspakete. Der Malteserorden setzt sich weltweit für die Wahrung der Menschenwürde und Unterstützung von Hilfsbedürftigen, ungeachtet ihrer Rasse und Religion, ein.

Der Malteserorden kann auf eine 900-jährige Tradition zurückblicken. Dies spiegelt sich in seinem vollen Namen wider: „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta“. Seit 1834 befindet sich der Regierungssitz des Malteserordens in Rom, wo ihm extraterritoriale Rechte gewährt werden.

2. Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Malteserorden

Arbeitsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Malteserorden bestehen schon seit längerem, die offizielle Repräsentanz wurde jedoch bisher von Seiten des Ordens durch dessen Botschafter in Warschau wahrgenommen. Von den weltweit insgesamt 80.000 Freiwilligen des Ordens arbeiten allein 51.000 in Deutschland oder von dort aus in Krisengebieten. Zudem sind 31.000 hauptamtliche Mitarbeiter des Malteserordens in Deutschland aktiv. Die Malteser betreiben Krankenhäuser, Altenhilfeeinrichtungen, Schulen und soziale Einrichtungen für Jugendliche, Suchtkranke und Asylsuchende. Alle Dienste und Einrichtungen der Malteser sind gemeinnützig. Ergebnisse aus dem operativen Geschäft fließen zurück in die Aufrechterhaltung oder in die Erweiterung des Leistungsangebotes. Insgesamt gibt es ca. 965.000 Mitglieder und Förderer des Malteserordens in Deutschland.

Besonders wichtig für die deutsche Außenpolitik ist das Hilfswerk des Malteser Ritterordens, genannt „Malteser International“ (MI), mit dem der Orden sein internationales Engagement in der Humanitären Hilfe durchführt. Seit 2013 hat sich diese internationale Sektion der „Malteser Hilfsdienste“  als Eingetragener Verein mit Sitz in Köln konstituiert. Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Malteser International erfolgt eine enge Zusammenarbeit bei der Humanitären Hilfe und im Bereich Flucht/Migration. Malteser International führt jährlich mehr als 100 Projekte in rund 25 Ländern durch und gehört mit seiner langjährigen Erfahrung und seines kompetenten Partnernetzwerkes in den Zielländern zu den strategischen Partnern der Humanitären Hilfe des Auswärtigen Amtes. Schwerpunkt der Arbeit bilden die Bereiche Gesundheit sowie Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH). Insgesamt erhielten 1,6 Mio. Menschen in 2016 Behandlungen in den Gesundheitseinrichtungen von Malteser International. In der Vergangenheit hat sich die Zusammenarbeit besonders in der Syrien-Krise, im Nord-Irak, in verschiedenen andauernden Krisenkontexten in Afrika und Asien, aber auch in großen Naturkatastrophen wie in Haiti, Philippinen oder Nepal bewährt.

3. Bedeutung der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Souveränen Malteser Ritterorden

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen Deutschlands zum Malteser Ritterorden soll das karitative Engagement des Ordens würdigen und stärken. Insbesondere seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 wurde die wichtige Rolle des Malteserordens bei der Betreuung, Unterbringung und Versorgung von Migranten und Flüchtlingen deutlich. Dies gilt für die Arbeit des Malteserordens in Deutschland genauso wie in anderen Aufnahmestaaten.

Die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen ist ein Zeichen für die Fortsetzung der engen und guten Zusammenarbeit in der humanitären Hilfe und in der Flüchtlingsbetreuung. In Zeiten, in denen Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Gewalt und Hunger sind, scheint der Kampf gegen Krieg und Vertreibung zuweilen fast aussichtslos. Die Malteser geben durch ihren Einsatz tausenden Menschen neue Hoffnung und Zukunftsperspektiven.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bedeutet, dass die souveräne Völkerrechtssubjektivität gegenseitig anerkannt wurde. Damit ändert sich der Status des Ordens in Deutschland: Der Malteserorden kann einen Botschafter für Deutschland benennen und Räumlichkeiten einer Vertretung in Berlin entsprechend kennzeichnen. Für Deutschland bedeutet die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen, dass eine Vertretung der Bundesrepublik Deutschland nun die Bezeichnung „Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta“ tragen und dessen Leiterin/Leiter den Titel „Botschafterin/Botschafter“ führen kann. Auf die Arbeit der Einrichtungen des Ordens in Deutschland, wie etwa dem Malteser-Hilfsdienst (MHD), werde der neue Status jedoch keine konkreten Auswirkungen haben.

Kommentare

Beliebte Posts