Die Weltklimakonferenz 2017 : "eine Konferenz - zwei Zonen"

[Vertreter der Fidschi-Inseln im Rahmen der Eröffnungsfeiern der Weltklimakonferenz - © dpa]

Heute, am Internationalen Tag zur Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten, startet die zweiwöchige Weltklimakonferenz. Bis zum 17. November werden über 25.000 Regierungsvertreter und Vertreter nicht-staatlicher Akteure zur Konferenz in Bonn erwartet. Damit ist es die größte internationale Konferenz, die jemals in Deutschland ausgerichtet wurde.

Dabei handelt es sich eigentlich um drei zeitgleich stattfindenden Konferenzen: Der Gipfel in Bonn umfasst die 23. internationale Vertragsstaatenkonferenz („COP 23“) der Unterzeichner der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel, das 13. Treffen der Unterzeichner des Kyoto-Protokolls („CMP 13“) und das 2. Treffen der Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens („CMA 1.2.“).

Die jährlich stattfindenden COP-Konferenzen sind das höchste Gremium der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Wenngleich Bonn dieses Jahr Gastgeber der Konferenz ist, hat die Präsidentschaft der Inselstaat Fidschi inne. Die Konferenz steht dabei unter dem Leitspruch "eine Konferenz – zwei Zonen". Die Verhandlungen der Staatenvertreter finden in der sogenannten Bula-Zone statt und werden  von Fidschi geleitet ("Bula" heißt Hallo auf Fidschi). Die Delegierten der Regierungen verhandeln um die Details zur Anwendung des Pariser Abkommens von 2015 und sollen ein sogenanntes „Regelbuch“ aufstellen.

Alle anderen Klimaaktionen und Klimaprojektvorstellungen finden dagegen in der sogenannten "Bonn-Zone" statt, wo Regierungen, Vertreter von Kommunen und Ländern und nicht-staatliche Akteure wie Nichtregierungsorganisationen (NGO), Vertreter der Wirtschaft und der Industrie oder andere Teile der Zivilgesellschaft die Möglichkeit haben, ihre Klimaschutzinitiativen und -projekte vorzustellen. Durch diese neue Art der Konferenzgestaltung soll einer Vielzahl von Akteuren ein aktiver Beitrag zu den Konferenzen ermöglicht werden. Zudem können so bereits laufende und geplante Initiativen vorgestellt werden.

Deutschland verfolgt eine ambitionierte Klimaschutzpolitik. Der im Dezember 2016 beschlossene Klimaschutzplan 2050 sieht mit verschiedenen Programmen einen Umbau der bisherigen Wirtschaftspolitik hin zu einem klimafreundlicheren Wirtschaften vor. Am heutigen Montag betonte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks einmal mehr das Ziel Deutschlands, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Ein schwieriges Unterfangen, denn wie unlängst deutlich wurde, wird Deutschland sein für 2020 gestecktes Ziel, den CO2-Ausstoß um 40 Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990 zu senken, aller Voraussicht nach verfehlen. Bundesministerin Hendricks forderte daher die kommende Regierung dazu auf, das Engagement zum Klimaschutz weiter aufrecht zu halten. Die nachfolgende  Grafik des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) stellt die Sektorenziele dar, welche die Bundesrepublik sich bis 2030 gesetzt hat.
[Dargestellt sind die Sektorziele 2030 aus dem Klimaschutzplan 2050 (in Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten), © BMUB]

Gleichzeitig fordern verschiedene Nichtregierungsorganisationen, Deutschland und Europa müssten sich stärker für die Umsetzung des Paris-Abkommens einsetzen. Venro, der Dachverband der entwicklungspolitischen und humanitären Nichtregierungsorganisationen in Deutschland, betonte, die Bundesregierung müsse mehr Druck insbesondere auf die Industrienationen ausüben. Diese seien „bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen gefordert, denn sie tragen eine große Verantwortung für die Entstehung des Klimawandels“, so der Vorsitzende des Dachverbands.

Das kirchliche Hilfswerk Misereor bemerkte vergangenes Wochenende, der Klimawandel sei für Millionen von Menschen längst Realität. Besonders diejenigen, die am wenigsten dazu beigetragen hätten, bekämen die Folgen zu spüren. Dass die Republik Fidschi die Präsidentschaft übernimmt, rücke die Probleme der ärmeren Länder in den Mittelpunkt der Verhandlungen, betonte der Geschäftsführer des Hilfswerks. Denn insbesondere in den Inselstaaten kämpften die Menschen gegen die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels.

Nach der 2015 veröffentlichten Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus sprach sich auch die katholische Kirche in Deutschland für mehr Einsatz im Klima- und Umweltschutz aus. Die Deutsche Bischofskonferenz richtete eine Ökologie-Arbeitsgruppe ein, die Handlungsziele in Sachen Klima für die Bistümer vereinbaren soll. Hiermit folgten sie Franziskus Aufruf, den Zusammenhang zwischen Armut, Ungleichheit und Klimawandel zu erkennen und dementsprechend zu handeln.

Doch, wie auch Papst Franziskus schon mehrfach betonte, sind nicht nur die Staaten, sondern jeder Einzelne gefragt, sich für das Klima einzusetzen. „Die Politik allein wird es nicht richten können, die Wissenschaft auch nicht. Wir brauchen einen Mentalitätswandel“, erklärte auch der deutsche Erzbischof Schick vorige Woche.

Die entscheidende Frage daher: Wie steht es um Ihre eigene CO2-Bilanz? Unter diesem Link können Sie diese berechnen.

Hier können Sie sich über die klimapolitischen Instrumente der Bundesregierung informieren. 

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