Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen





Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig und weltweit eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Nach Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erlebt jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal psychische, physische oder sexuelle Gewalt. Blickt man auf die Zahl der getöteten Frauen, zeigt sich eine noch schockierendere Ziffer: in 38% der Fälle wurden Frauen durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner umgebracht. 

Gewalt gegen Frauen beschreibt ein Problem, das in allen Staaten und Gesellschaftsschichten zu finden ist. In Europa erlebt jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner. Man geht davon aus, dass in manchen Regionen bis zu 70 Prozent aller Frauen mindestens einmal im Laufe ihres Lebens Opfer physischer oder sexueller Gewalt werden – meist durch ihre Ehemänner oder Partner.

Diesem globalen Problem wird jährlich am 25. November durch den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen gedacht. An diesem Tag wird auf die Allgegenwart und den Umfang des Problems aufmerksam gemacht. Die Deutsche Botschaft beim Hl. Stuhl nimmt diesen Tag zum Anlass, um im Gespräch mit der Zivilgesellschaft und Kirche über die Rolle von Politik und Kirche zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen zu diskutieren. 

Am 23. November laden wir Vertreter der Nichtregierungsorganisationen UN WOMEN, SOLWODI, Sant'Egidio und der European Women's Lobby zu einer Diskussion ein. Nach der Vorstellung der Arbeit dieser Organisationen wird in einem Gespräch mit Mons. Vincenzo Paglia, Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben, über die Rolle der Kirche zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen sprechen. 

Zum Abschluss des Abends wird die Dokumentation "Unter aller Augen" von Claudia Schmid gezeigt. Der Film folgt dem Schicksal verschiedener Frauen, denen Gewalt angetan wurde, vom Kampf ums Überleben, von den Ängsten und Hoffnungen der Frauen und ihren aktuellen Versuchen, ein neues Leben jenseits der Gewalt aufzubauen. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Kulturen, Lebensweisen und gesellschaftlicher Systeme werden die Mechanismen und Strukturen von Gewalt und Macht gegen Frauen in ihrer universellen Parallelität und Pluralität durchleuchtet und die Ursachen von Gewalt sichtbar. Dass die Gewaltstrukturen in Deutschland dabei oft nicht weniger erbarmungslos sind wie in Ländern Afrikas und Asiens, wird dabei deutlich herausgestellt.

Auch in Deutschland haben 35 % aller Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. In einer Studie über das Jahr 2015 wurde zudem verdeutlicht, dass über 300 Frauen von ihren aktuellen oder früheren Partnern umgebracht wurden. Zwar gibt es in Deutschland für Opfer mittlerweile ca. 350 Frauenhäuser und 40 Schutzwohnungen, in denen 16.000 Frauen Sicherheit vor ihren Partnern finden. Für die große Zahl an Opfern in Deutschland reicht dies jedoch nicht. In der Diskussion mit Vertretern der Zivilgesellschaft möchten wir daher der Frage nachgehen, welche Schritte von Politik und Gesellschaft getroffen werden müssen, um Gewalt gegen Frauen effektiv zu bekämpfen. Prominent wurde dabei zuletzt die Verschärfung des deutschen Strafrechts nach dem Grundsatz "Nein heißt Nein". Nunmehr sind alle sexuellen Handlungen strafbar, die nicht einverständlich erfolgen. Dies bedeutet, dass Opfer sich nicht gewehrt haben müssen, um den Straftatbestand zu erfüllen. Zuvor lag eine Vergewaltigung nur vor, wenn der Täter eine andere Person durch Gewalt oder Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zu einer sexuellen Handlung nötigte. 

Auch der Hl. Stuhl setzt sich für eine Verbesserung der Stellung der Frau ein. Papst Franziskus hat sich bereits in mehreren Dokumenten und Reden für eine Beseitigung der Gewalt gegen Frauen deutlich ausgesprochen. Exemplarisch kann die Schrift "Amoris Laetitia" genannt werden, in der betont wird, dass der Ehemann die Pflicht hat, seine Frau und Kinder zu schützen. Daneben beharrt Papst Franziskus zudem auf der steigenden Präsenz von Frauen in der katholischen Kirche. Wir freuen uns daher auf eine intensive Diskussion mit Mons. Vincenzo Paglia, dem Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben, der uns die Bemühungen des Hl. Stuhls bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen darstellen wird.

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