Rückschau auf 500 Jahre Reformation in Rom

[© Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl]

Das Reformationsjubiläum in Rom 

Luthersocken, Lutherbrötchen, Lutherplaymobilfiguren – im Zentrum aller Festlichkeiten zu 500 Jahren stand die Figur Martin Luther. Was in der Rückschau auf das Wirken Luthers dabei immer wieder hervorgehoben wurde, ist die unmittelbare Kritik Luthers am Papst. In seinen Thesen kritisierte Luther die Befreiung von Sündenstrafen durch den Erwerb päpstlicher Ablasse. Mit dieser Kritik gegen die Vermischung von materiellen Mitteln und geistlicher Tätigkeit griff er den Papst direkt an, der den Kirchenstaat wie ein weltlicher Herrscher regierte und für seine Hofhaltung ausreichend finanzielle Mittel brauchte.

Für viele mag es überraschend erscheinen, dass das Gedenken an 500 Jahre Reformation gerade in Rom und im Vatikan durch gemeinsame  Veranstaltungen der katholischen und evangelischen Kirche neue ökumenische Perspektiven aufgezeigt hat. Ein halbes Jahrtausend liegt nun zwischen Luther und uns, doch dieser Abstand hat das Interesse an die Anfänge der Reformation nicht gemindert. Schon die zahlreichen offiziellen Besuchergruppen, Gottesdienste, kulturellen Veranstaltungen und Beiträge in Rundfunk, Fernsehen und Presse zeigten, dass in der Stadt des Papstes der Reformation aktiv gedacht wurde. Herauszuheben sind hierbei die Besuche des Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

Kirchlich gesehen war einer der Höhepunkte des Reformationsjahres in Rom die gemeinsame Privataudienz bei Papst Franziskus vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Bedford-Strohm, und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx. Papst Franziskus regte anlässlich dieses Besuches an, dass Deutschland mit seiner langjährigen guten Erfahrung des Zusammenlebens der Konfessionen bei der Ökumene voranschreiten solle und sogar die besondere Verantwortung hat, weiterführende Lösungsvorschläge zur Zukunft der Ökumene zu machen.

Zum Abschluss des Reformationsjahrs hat Papst Franziskus selbst eine positive Bilanz gezogen und hervorgehoben, dass die Kirchen als „Geschwister" und nicht als "Rivalen“ in den letzten zwölf Monaten an Luthers Thesenveröffentlichung vor 500 Jahren erinnert haben.

Wie geht es nun weiter? 

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm haben in einem Gastbeitrag in der ZEIT betont, dass weitere Schritte zur Annäherung der Konfessionen unternommen werden müssen: „Inmitten einer säkularisierten und weltanschaulich pluralen Gesellschaft, in der viele Mitmenschen nicht mehr zwischen 'katholisch' oder 'evangelisch' unterscheiden, müssen wir gemeinsam auftreten“. Die beiden wichtigsten Kirchenvertreter Deutschlands hoben damit hervor, dass sie das ökumenische Miteinander in Zukunft konkret in den Gemeinden verstärken wollen. Gleichzeitig müsse man aber auch über strittige Fragen im Austausch bleiben. Vielleicht kann diese Aussage als Ansporn für die Zukunft genommen werden.

Der Bundestagspräsident a.D., Prof. Norbert Lammert, hat in seiner Rede in der deutschen katholischen Gemeinde Roms seinerseits zum Abschluss des Reformationsjahres kritisiert, dass eine Einigung der Konfessionen bislang noch nicht in Sicht sei. Seiner Ansicht nach ist es offenbar nicht der Glaube, sondern das Amtsverständnis der Kirchenvertreter, das einer weiteren Annäherung zwischen evangelisch und katholisch entgegen steht.

Auf lokaler Ebene haben Vertreter beider Kirchen mancherorts bereits verstärkte Zusammenarbeit angekündigt. In Trier beispielsweise haben der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, und der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Donnerstag ein „Ökumenisches Wegzeichen“ unterschrieben. Damit wollen die Kirchen das Miteinander der Konfessionen weiter vertiefen und ihre ökumenische Zusammenarbeit verstärken.

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