Papst Franziskus dankt Deutschland für Flüchtlingsaufnahme

(dpa)

Papst Franziskus hat in seiner Neujahrsansprache am 08. Januar die Anstrengungen Deutschlands bei der Flüchtlingsaufnahme gewürdigt. Die gegenwärtige Diskussion, um die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten setzte Franziskus dabei in den Kontext der jüdisch-christlichen Tradition, die Heilsgeschichte sei eine "Geschichte von Wanderungen". Er rief die Staaten  daher dazu auf, Flüchtlinge und Migranten aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren. Gleichzeitig betonte Franziskus, dass eine Integration nur dann möglich sei, wenn beide Seiten - die aufnehmende Gesellschaft als auch der Neuankömmling - Anstrengungen unternähmen. "Wer aufgenommen wird, muss sich den Regeln des Landes, das ihn beherbergt, unbedingt anpassen und dessen Identitätsprinzipien respektieren", unterstreicht Franziskus. Neben Deutschland dankte Franziskus in diesem Zusammenhang auch Griechenland und Italien für ihren Einsatz zugunsten von Flüchtlingen und Migranten. 

Zwei Jubiläen - 1918 und 1948

Den Rahmen für die Neujahrsansprache von Papst Franziskus vor dem diplomatischen Korps bildeten zwei Gedenktage:  das Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren und die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Der Gedanke an den 1. Weltkrieg erinnere uns daran, dass Frieden nur dann dauerhaft erreicht werden könne, wenn Staaten sich stets auf Augenhöhe begegneten. Nur in einem "Klima der Gleichheit" könne Friede gefestigt werden, hebt Franziskus hervor. Genauso wie die Staaten untereinander souverän einander gegenüberstehen, genauso stünden sich aber auch die Menschen mit gleichen unveräußerlichen Rechten gegenüber. Diese Rechte wurden 30 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zusammengefasst. Angesichts der zahlreichen Krisen auf der Welt sei es notwendig, sich der Werte, die in dieser Erklärung der Menschenrechte verbürgt sind, zu besinnen, betont Franziskus.

Kontinuierliche Verletzung des Rechts auf Leben 

Im Zentrum dieser Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehe das Recht auf Leben. Franziskus beklagt, dass dieses Recht heute auf verschiedene Weise verletzt werde, sei es durch Abtreibung, aktive Sterbehilfe, Menschenhandel, Sklaverei oder Gewalt gegen Frauen. Die Staaten seien daher aufgerufen, sich aktiv für den Frieden einzusetzen und so das Recht auf Leben zu verteidigen. Einsatz für Frieden bedeute dabei immer auch Abrüstung und Umsetzung des Atomwaffenverbotsvertrags. Allein durch Dialog und Diplomatie auf Augenhöhe können und müssen Lösungen für einen dauerhaften Frieden in Korea, Syrien, Israel und Palästina, Ukraine, Afghanistan, Jemen und in vielen Staaten Afrikas gefunden werden.    

Familien als Stützen der Gesellschaft

Papst Franziskus gedachte im Zusammenhang mit diesen Konflikten den vielen Familien, die in den kriegerischen Auseinandersetzungen Angehörige verloren haben. Franziskus hebt dabei die Bedeutung der Familie als "Felsen" für das Leben einer Gesellschaft hervor. Nur auf Grundlage von stabilen Familien könnten stabile Gesellschaften bestehen. Er ruft die Staaten daher dazu auf, politische Fördermaßnahmen zugunsten der Familie zu ergreifen, denn "ohne die Familien werde es keine Gesellschaft geben, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist".   

Arbeit und Pausen 

Frieden und Entwicklung werde es zudem nur dann geben, wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, durch Arbeit zum Gemeinwohl beizutragen. Franziskus kritisiert, dass gegenwärtig die Tendenz bestünde, von Arbeitern immer härtere Arbeitsrhythmen zu verlangen. Folge sei eine Reduzierung von Ruhezeiten und Ruhetagen, die der Mensch brauche, um sich körperlich und geistig zu erholen. Besonders beunruhigend sei dabei die wachsende Zahl an arbeitenden Kindern und an neuen Formen der Sklaverei. Solange Wirtschaftsmodelle umgesetzt würden, die auf reinen Profit ausgerichtet seien und die Ausbeutung Schwächerer - wie zum Beispiel Kinder - beinhalten, sei eine bessere Zukunft nicht möglich. 

Pflicht jedes Einzelnen zum Umweltschutz

Franziskus schließt seine Ansprache mit einem Blick auf die Pflichten jedes Einzelnen gegenüber seiner Gesellschaft, die sich ebenso aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ergeben. Jede Person habe die Verantwortung und Pflicht, dem Gemeinwohl zu dienen, was insbesondere beim Blick auf die Umwelt entscheidend sei. "Der Klimawandel mit dem globalen Temperaturanstieg und die damit verbundenen zerstörerischen Auswirkungen sind auch Folgen des menschlichen Handelns", erinnert Franziskus in diesem Zusammenhang.


Die gesamte Neujahrsansprache findet sich unter: http://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-01/papst-an-die-diplomaten--die-ansprache-in-deutscher-uebersetzung.html


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